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„Schauen, dass wir diesen Reichtum nicht verschenken“
UMMENDORF (ein) – Demokratie ist doch was Schönes: Werden ihre Regeln eingehalten, kann ein einziges Fax unvernünftige Planungen aufdecken. Ein Fax des Ummendorfer SPD-Ortsvereinsvorstandsmitglieds und Bausachverständigen Wilfried Zwingert hat den Gemeinderat veranlasst, die Erschließung des Baugebiets „Schleifweg“ vorläufig zu stoppen. Im Interview erläutert Zwingert die Gründe.Frage: Herr Zwingert, was stört Sie am Bebauungsplan „Schleifweg“?
WZ: Ich bemängle, dass die Häuser laut Plan zu wenig nach Süden ausgerichtet sind, und deshalb erneuerbare Energiekomponenten wie thermische Solaranlagen oder Fotovoltaik nicht effizient eingesetzt werden können.
Frage: Warum?
WZ: Ich habe langjährige Erfahrung als Gebäudesanierer, bin seit längerer Zeit Energieberater und habe 2000 in Ummendorf das erste Bürogebäude in Passivhausbauweise errichtet, und das ganz ohne Zuschüsse damals. Das rechnet sich, weil die Energiekosten in diesem Haus sehr, sehr niedrig sind. Als Mitglied im SPD-Ortsvereinsvorstand bin ich mir mit unserem Vorsitzenden Roland Luschkowski einig, zukunftssichere Energieversorgung zum Thema zu machen.
Frage: Was verstehen Sie darunter?
WZ: Jede Gemeinde sagt doch, auch Ummendorf, Energiesparen ist Thema Nummer eins. Jeder kann ja sparen, das geht, und mit einer Solaranlage bekommt man Energie, die's umsonst gibt. Aber jemand, der in einem so schlecht geplanten Baugebiet neu baut, hat geringe Chancen, später mal Solaranlagen mit gutem Wirkungsgrad zu installieren.
Frage: Warum wird trotzdem gebaut?
WZ: Ein Bauherr ist kein Fachmann; wenn er dann da so gebaut hat, wie vorgeschrieben, und eine Solaranlage aufs Dach machen will, muss er feststellen, das ist nicht möglich: Der Bebauungsplan war nämlich grundfalsch. Ein Gegenbeispiel steht in Freiburg, wo in der Solarsiedlung alle Häuser Richtung Süden ausgerichtet sind.
Frage: Ist das denn übertragbar?
WZ: Das Planungsbüro für Ummendorf ist hier zu kritisieren. Ein Haus sollte, egal wo, so gebaut werden, dass regenerative Energien zu nutzen sind. Es braucht also Plusenergiehäuser, deren Dächer Richtung Süden ausgerichtet sind, erst recht in dieser günstigen Lage bei uns, wo wir doch in einer der sonnenreichsten Gegenden Deutschlands leben, niedrigere Durchschnittstemperaturen, aber mehr Sonne als Freiburg haben. Wir müssen schauen, dass wir diesen Reichtum nicht verschenken. Das betrifft viele Gemeinden in der Region. Diese Fehler werden vielerorts gemacht. Und auch Landesumweltministerin Tanja Gönner will ja jetzt bei Neubauten einen größeren Anteil regenerativer Energien vorschreiben. Deshalb verstehen wir als SPD-Ortsverein Ummendorfs Gemeindeverwaltung umso weniger. Sie will ja junge Familien ins Baugebiet locken und sollte eigentlich auf solche Dinge achten, um's den Leuten zu erleichtern.
Frage: Wie sind Sie mit dem Problem an Ihre Gemeinde herangetreten?
WZ: Nach zweimaliger Aufforderung in unserem Gemeindeblatt an alle Einwohner, zu diesem Planentwurf Stellung zu nehmen, habe ich ein Fax an die Gemeindeverwaltung geschickt, in dem ich meine Kritik formuliert habe. Das war Ende April. Reaktion gab's keine. Aber am 9. Juni war das Baugebiet auf der Tagesordnung des Gemeinderats, der sollte den Plan und damit den Beginn der Erschließungsarbeiten absegnen. Die Bagger haben quasi schon bereit gestanden. Mein Fax war, wie sich's gehört, bei den Sitzungsunterlagen.
Frage: Hat es etwas bewirkt?
WZ: Das kann man sagen. Aufgrund meines Einwands verlangte der Gemeinderat Änderungen am Bebauungsplan und hat so den Beginn der Erschließungsarbeiten erstmal gestoppt. Viele Gemeinderatsmitglieder haben selbst Solaranlagen und verstehen, was mit meinem Einwand gemeint ist. In der nächsten Sitzung wird entschieden, ob der Plan überarbeitet wird, was einige Monate Verzögerung brächte.
Frage: Welche Vorteile brächte die Wartezeit für den Bauherren?
WZ: Ihm wäre es zum Beispiel möglich, bei richtiger Einrichtung der Anlage auf seinem Hausdach mindestens 50 Prozent der Warmwasserkosten durch Solarthermie zu sparen oder sogar im Winter damit die Heizung zu unterstützen, je nach Dämmung der Gebäudehülle. Ich halte es mit Franz Alt, der immer sagt: „Zeigt den Architekten endlich mal, wo Süden ist, dann wäre das Energieproblem der Welt gelöst.“
Wilfried Zwingert ist 48 Jahre alt und hat nach überstandener schwerer Krankheit wieder in seinem Metier, dem energiesparenden Bauen und Sanieren, Fuß gefasst.
Online: 17.6.08 00:00 • Newsgebiet: Ummendorf • Alle Meldungen • Kommentare (0)
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